-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Kamin - 15.08.2018
 Haustechnik / Heizung / Kamin       


FUER EINEN EFFIZIENTEN ABZUG

Mit der Zusammenfassung der Heizanlagen kommt dem Schornstein in der integrativen Energiebilanz des Hauses wieder ein höherer Stellenwert zu. Ohne einen modernen Schornstein oder eine Abgasanlage gibt es keinen funktionierenden Niedertemperatur- oder Brennwertkessel und keine gute Energieausnutzung.  Mit nur einem Prozent der gesamten Baukostensumme schlägt der Schornstein zu Buche. Bauherren sollten deshalb auf einen romantischen Kamin mit prasselndem Feuer oder einen Kachelofen mit molliger Strahlungswärme nicht verzichten.
Ein Schornstein muss hohe Temperaturen am Kesselausgang einerseits und niedere Rauchgastemperatur am Austritt andererseits verkraften. Dabei ist die richtige Bemessung des Querschnitts Voraussetzung für seine Funktion. Er führt die Abgase der Heizungsanlage über das Dach feuersicher ins Freie. Dabei muss er sicher stehen, langfristig dicht bleiben und einen guten "Zug" haben. Die Bauart und den Querschnitt des Schornsteins, auch Kamin oder Esse genannt, bestimmen die Heizanlagen sowie die Heizmedien wie Holz, Kohle, Gas oder Öl. Moderne Heizanlagen nutzen die Brennstoffe optimal und arbeiten mit extrem niedrigen Abgastemperaturen - bei Brennwertkesseln sind dies nur 20 bis 40 Grad am Austritt, bei Niedertemperatur-Kesseln bis zu 80 Grad.
Bei Planung (Querschnittsfestlegung) und Ausführung ist in jedem Fall der zuständige Kaminfeger einzubeziehen, welcher auch den Schornstein nach Fertigstellung abnimmt.
Zum Mauern der Mantelsteine wird Mörtel der Mörtelgruppe II beziehungsweise IIa   und für die Schamotterohre säurefester Kitt benutzt. Eingesetzter Dämmstoff muss hydrophobierend (wasserabweisend) sein. Der Schornstein beginnt dort, wo sich die Heizungsanlage befindet. Also in der Regel im Keller oder auf der Bodenplatte. Abgasleitungen können jedoch auch erst auf dem Dachboden beginnen, sind dann aber gegen Frost zu sichern. Der Schornstein wird ab Bodenplatte entweder geschossweise parallel zu den Rohbauarbeiten errichtet, oder es werden Aussparungen in den Decken gelassen, und er wird nach Beendigung der Dachstuhlarbeiten in einem Stück hochgezogen. Dies ist speziell bei geschosshoch vorgefertigten Schornsteinen der Fall. Im Bereich einer Geschossdecke sind Aussteifungen erforderlich. Damit die Dehnung des Schornsteins nicht behindert wird, muss zwischen diesem und der Decke eine Trennschicht aus nicht brennbarem Material, mindestens 1,5 Zentimeter dick, angeordnet sein. Im Bereich des Dachbodens muss eventuell eine zweite Revisionsöffnung eingebaut werden. Dies ist dann der Fall, wenn eine Reinigung des Schornsteins von der Mündung her, auf dem Dach, nicht möglich ist und sich die Innenreinigung anbietet.

Schornsteinkopf

Unter 20 Grad Dachneigung sowie beim Falchdach muss sich die Abgasaustrittsöffnung des Schornsteinkopfes einen Meter und mehr über dem Dach befinden. Bei Dächern mit mehr als 20 Grad reichen 40 Zentimeter und mehr aus.
Der Schornsteinkopf wird durch einen Klinkervorsatz oder als Montage-Stülpkopf, beispielsweise aus Leichtbeton, und hinterlüftet, mit den verschiedenen Schalen - wie Schiefer, Dachziegel, Faserzement oder Metall (generell an Blitzschutz denken!) - gegen die Unbilden der Witterung geschützt.
Die Stülphaube ist je nach Konstruktion zu hinterlüfen und notfalls zu dämmen. Zu beachten ist, dass Zuluftkanäle am Schornsteinaustritt immer tiefer angelegt sein müssen als abgasführende Kanäle. Der Durchgang zum Dach (Versatz) wird am besten durch eine Bleischürze abgedichtet.

Abgasanlagen

Warum heisst ein Schornstein nicht mehr Schornstein?
Das Baurecht brachte neue Unterteilungen und Namen hervor. Als Oberbegriff für Einrichtungen zur Abführung der Abgase wurde die Bezeichnung "Abgasanlagen" gewählt. Diese unterteilen sich dann in die Gruppen der

- Abgasleitungen, beispielsweise für Brennwertkessel (im Über- und Unterdruckbetrieb), jedoch nur für Öl- oder Gasbrennanlagen, sowie die der

- Schornsteine für Regelfeuerstätten (auch Festbrennstoffzug genannt), ausbrennsicher, zum Beispiel für Kamine und Kachelöfen.

In der Regel werden heute zwei- und dreischalige, gedämmte und/oder hinterlüftete Systeme angeboten. Bei den Rohren haben sich in erster Linie Materialien wie Schamotte, Keramik, Spezialglas und Fasersilikat durchgesetzt. Für Abgasleitungen sind auch Kunststoffrohre aus Polyvinylidenfluorid (PVDF) eigentlich ideal (bis 160 Grad zugelassen!), doch den rationalen Argumenten stehen emotionale Vorbehalte gegenüber. Polygropylene (PPs), mit Additiven versetzt, sollten wegen Quecksilber- und Antimongefahr (Verdacht auf Krebserregung) nicht eingesetzt werden. Innerhalb der oben genannten Unterteilungen hat sich der Luft-Abgas-Schornstein (LAS-Anlage) etabliert. Dieser ermöglicht, bedingt durch zunehmend abgedichtete Fenster und Türen, einen raumluftunabhängigen Betrieb von Feueranlagen. Die Luft zum Brennvorgang wird der Feuerungsanlage von oben durch den Schornstein über gesonderte Kanäle zugeführt. Auch der Einsatz eines Ventilators als "Druck-Abführer" der Rauchgase ist Stand der Technik. Modernste Schornsteine wenden das frühere Ideal des "trockenen" Schornsteins ins Gegenteil. Die früher gefürchtete, weil zerstörerische Kondensation ist erklärtes Konstruktionsprinzip des "nassen" Schornsteins.

Wie funktioniert das eigentlich?

Der heisse und schnelle Abgasstrom (vor circa 15 Jahren noch 250 bis 300 Grad) riss früher die Rauchgase förmlich aus dem "trockenen Schornstein" heraus. Grund ist das physikalische Gesetz, nach dem warme Luft nach oben steigt. Je wärmer die Luft, desto schneller die Steiggeschwindigkeit des Abgases. Abgase moderner Heizungen steigen deshalb nur noch relativ langsam. Dabei gilt ebenso, dass heisse Abgase mehr Feuchtigkeit transportieren können als kalte. Kühlen die Abgase aus der Verbrennung der Heizungsanlage auf dem Weg zum Schornsteinaustritt ab und unterschreiten den so genannten Taupunkt, scheiden sie Feuchtigkeit in Form von aggressivem Kondensat aus. Heutige Schornsteine sind deshalb so konstruiert, dass sie Abgase mit niedrigsten Temperaturen sicher abführen und eventuell entstehendes Kondensat schadlos ableiten und neutralisieren. Die Taupunkte werden unterschritten. Entwickelt wurden einerseits die gedämmten Schornsteine. Sie verhindern jedoch nur bis zu einem gewissen Grad ein Abkühlen der Rauchgase und damit die Gefahr der Schornsteinversottung. Besser sind feuchteunempfindliche Schornsteine, die von vornherein für den Anfall von Abgaskondensat konstruiert wurden. Mehrzügige Schornsteine als Kombination haben einen "trockenen" und einen "nassen" Zug.

 

 
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