-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Kanalisation - 15.08.2018
 Rohbau / Kanalisation       


SCHMUTZWASSER SICHER ABLEITEN

Für die Reinhaltung unserer Gewässer und den Schutz unseres kostbaren Grundwassers muss unser Abwasser (auch Schmutzwasser genannt) geklärt werden. Über 85 Prozent der Haushalte (meist in Städten) sind an das zentrale Abwassernetz angeschlossen. Nach geltendem Recht sind vom Haus abführende Abwasserleitungen vorrangig über Kanäle an vorhandene, zentrale Abwasserkläranlagen anzuschliessen. Viel zu hohe Gebühren resultieren aus Grosskläranlagen in Gemeinden, die dazu noch kilometerlange, kostenintensive Abwasserleitungen verlegt haben. Gute Alternativen sind moderne, biologische Kleinkläranlagen, für dezentral liegende Wohnhäuser und Bauernhöfe eine ökologische und ökonomische Lösung der Vernunft.

Schmutzwasserleitungen

Vor dem Betonieren des Fundaments erfolgt die Verlegung der Grundleitung mit 1 bis 2 Prozent Gefälle in einem gut verdichteten Sandbett. Wichtig ist die Installation einer gut zugänglichen Revisionsöffnung, um eventuelle Rohrverstopfungen beheben zu können. Von Vorteil ist ebenso ein Rückstauventil, damit durch die Strassenkanalisation bei einer Überflutung kein Wasser in den Keller gedrückt werden kann. Liegen die Grundleitungen unter dem Niveau des Kanals, ist diese Vorrichtung ein Muss! Für die Grundleitungen hat sich hartes PVC-Rohr oder Polyethylenrohr mit einer hohen Dichte (HDPE-Rohr) bewährt. Die Kennfarbe ist orangenbraun. Erlaubt sind aber auch gusseiserne Rohre ohne Muffe (SML-Rohr) und Faserzementrohre. Grundleitungen sind nur mit 45-Grad-Abzweigen zu verlegen, Doppelabzweige sind grundsätzlich verboten. Der Leitungsquerschnitt aller Rohrverbindungen darf sich in Fliessrichtung gesehen nicht verengen. Alle Abwasseranlagen müssen aus geeignetem und qualitativ einwandfreiem Material sein. Für sämtliche unterirdischen schmutzwasserführenden Leitungen ist dichtes Rohrmaterial zu verwenden. Reine Regenwasser- oder Sickerleitungen können aus Zementrohr bestehen. Für die zu verwendenden Materialien sind die Zulassungsempfehlungen der Fachverbände zu beachten.

Die Kosten für den Bau, den Betrieb und Unterhalt sowie die Erneuerung der privaten Abwasseranlagen bis und mit Anschluss an die öffentliche Kanalisation gehen zu Lasten der Eigentümer.


Abwasserarten

Abwasser
Unter Abwasser wird das von einem Grundstück und den darauf erstellten Bauten ober- und unterirdisch abfliessende verschmutzte und nicht verschmutzte Wasser verstanden.
Abwasser ist das durch häuslichen, industriellen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch veränderte Wasser, ferner das in der Kanalisation stetig damit abfliessende Wasser sowie das von bebauten oder befestigten Flächen abfliessende Niederschlagswasser (GSchG Art. 4).

Unverschmutztes Abwasser (Sauberwasser)
Unverschmutztes Abwasser (Dach-, Kühl-, Quell- und Sickerwasser, Reservoirüberläufe und Laufbrunnen usw.) darf nicht an eine Kanalisation angeschlossen werden, sondern muss versickert werden.

Nicht verschmutztes Abwasser ist Abwasser, das keine nachteiligen physikalischen, chemischen oder biologischen Veränderungen im Gewässer verursacht, in das es eingeleitet wird. Es erfüllt die gesetzlichen Anforderungen für die Einleitung in ein Gewässer.
Fremdwasser ist stetig anfallendes nicht verschmutztes Abwasser (Sicker-, Quell-, Brunnen-, Bach-, Kühlwasser etc.).
Meteorwasser (Regenwasser, Schneeschmelzwasser) von Dachflächen (Dachwasser) und Plätzen hat einen Verschmutzungsgrad, der im wesentlichen von der Art und Exposition der entwässerten Flächen abhängt.
Meteorwasser von nicht oder wenig befahrenen Flächen (Zufahrten und Parkplätze bei Wohnbauten) und Dachwasser sind in der Regel wenig belastet und können somit dem nicht verschmutzten Abwasser zugeordnet werden. Es ist versickern zu lassen oder über Rückhaltemassnahmen in ein Gewässer einzuleiten.
Meteorwasser von stark befahrenen Flächen, z.B. Strassen sowie Umschlagplätzen ist je nach Standort (Anforderungen des Gewässer- und Bodenschutzes, zulässiger Versickerungs-Typ) möglichst lokal zu versickern oder dem Schmutzwasserkanal zuzuführen. Oberflächenwasser von Plätzen mit Umschlag wassergefährdender Stoffe ist dem verschmutzten Abwasser zuzuordnen und muss der ARA zugeführt werden. Um die Abwassermenge zu limitieren, müssen Umschlagplätze überdacht sein oder von den restlichen Verkehrsflächen abgetrennt werden.


Entwässerungssysteme

Es wird bei der Liegenschaftsentwässerung unterschieden zwischen Mischsystemen, reduzierten Mischsystemen und Trennsystemen. Die Art der Liegenschaftsentwässerung wird im GEP (Genereller Entwässerungsplan) bestimmt.

Mischsystem 1
Bei Entwässerung im Mischsystem werden Schmutz- und Regenwasser im gleichen Kanal abgeleitet. Die separate Ableitung von nicht verschmutztem Abwasser in Sauberwasserkanäle, Bäche oder Versickerungsanlagen kann, sofern technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar, durchgeführt werden. Reduziertes Mischsystem

Mischsystem 2
Bei Entwässerung im reduzierten Mischsystem werden verschmutztes Wasser und teilweise Regenwasser im gleichen Kanal abgeleitet. Angeschlossen wird das verschmutzte Regenwasser. Das nicht verschmutzte Abwasser ist separat in Sauberwasserkanäle, Bäche oder Versickerungsanlagen abzuleiten.

Trennsystem
Bei Entwässerung im Trennsystem werden die Schmutz- und Regenwasser getrennt abgeleitet. Über die Ableitung und Reinigung von verschmutztem Regenwasser entscheidet die kantonale Fachstelle im Einzelfall. Das nicht verschmutzte Abwasser ist separat abzuleiten.

Retention 
Die im GEP (Genereller Etwässerungsplan) festgelegten Regenabflusskoeffizienten dürfen nicht überschritten werden. Zur Reduktion auf den festgelegten Wert kann eine Rückhaltung (Retention) angeordnet werden. Der Regenabflusskoeffizient stellt das Verhältnis zwischen dem in der Kanalisation abfliessenden zum niederfallenden Regenwasser, bezogen auf eine bestimmte Fläche, dar.


Gesetzliche Grundlagen

Nicht verschmutztes Abwasser ist nach den Anordnungen der kantonalen Behörde versickern zu lassen. Erlauben die örtlichen Verhältnisse dies nicht, so kann es mit Bewilligung der kantonalen Behörde in ein oberirdisches Gewässer eingeleitet werden. Dabei sind nach Möglichkeit Rückhaltemassnahmen
zu treffen, damit das Wasser bei grossem Anfall gleichmässig abfliessen kann.(Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG) vom 24. Januar 1991, Art. 7 Abs. 2).
Fremdwasser darf weder direkt noch indirekt einer ARA zugeleitet werden. Es ist versickern zu lassen oder in ein Gewässer einzuleiten (GSchG Art. 12, Abs. 3; Art. 76).
Das dauernde Ableiten von Grundwasser ist verboten ! (Grundwasserabsenkung) (GSchG Art. 43,
Abs. 1; Abs. 4).


Kleinkläranlagen

Auf Dauer sind biologisch wirkende und leistungsfähige Ausfaulgruben, Drei-Kammer-Systeme mit Tropfkörperberieselung und Belegungsanlagen mit Sauerstoffversorgung zulässig.
Unterschieden wird:
- biologische Kleinkläranlagen mit Tropfkörper oder
- biologische Kleinkläranlagen mit Abwasserbelüftung.

Bei allen Systemen durchläuft das Abwasser mehrere Kammern. Nach der Vorklärung besorgen Mikroorganismen unter Nutzung des Sauerstoffs den Abbau der im Abwasser gelösten organischen Schmutzstoffe. Während beim Tropfkörperverfahren die Kleinlebewesen den Sauerstoff aus der Luft aufnehmen, wird beim Belebungs- oder Belüftungsverfahren Luft oder reiner Sauerstoff zugeführt (biochemischer Sauerstoffbedarf, BSB). Eine dritte (chemische) Reinigungsstufe (nur in grösseren Anlagen) arbeitet mit chemischen Zusätzen wie Eisensulfate und -chloride oder Aluminiumsulfate. Pflanzenkläranlagen haben geringe Bau- und Betriebskosten und lassen sich gut in die ländliche Umgebung einpassen. Eine spezielle Variante von Pflanzenkläranlagen ist das so genannte Wurzelraumentsorgungsverfahren. Dabei findet die eigentliche "Arbeit" dieser Schilfbeete unter der Erdoberfläche statt - im Wurzelraum der Sumpfpflanzen und in der Streuschicht des Bodens. Dort sorgen fleissige Mikroorganismen dafür, dass die organischen Schmutzstoffe des Abwassers zu CO2 und H2O abgebaut werden. Die Abwasser durchsickern horizontal einen mit Schilf bepflanzten Bodenkörper, heraus kommt klares Wasser, welches sogar zum Baden geeignet ist.

 

 
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