-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Der Gusseisenofen - 25.02.2018
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MAERCHENOEFEN AUS VERGANGENER ZEIT

Wie wär's mit einem Einzelstück aus vergangenen Tagen?

Hier kann nur die Rede von einem Gusseisenofen sein. Wer sonst ist schon in der Lage, mehrere Jahrhunderte zu überleben? Der Gusseisenofen ist, wie kaum ein anderer, für seine extrem lange Lebensdauer bekannt. Er gehört ausserdem zu den wenigen "Möbelstücken", die sich aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften über jeglichen Modetrend hinweggesetzt haben und nach wie vor topaktuell sind.

Langlebigkeit
Seine Langlebigkeit ist vor allem dem unverwüstlichen Material zu verdanken, aus dem ein Gusseisenofen angefertigt wurde bzw. heute noch wird. Im 19. Jahrhundert wurde Eisen wegen seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zu einem der beliebtesten Baumaterialien. Unzählige Geräte und Gegenstände wurden aus ihm hergestellt.

Extrem starke Heizleistung

Für den Einsatz als Ofen sind natürlich die Fähigkeiten, Wärme zu speichern und Wärme weiterzuleiten,  von wesentlicher Bedeutung. Vom traditionellen Kachelofen wissen wir beispielsweise, dass er etwas schwerfällig reagiert und dass die angenehme Strahlungswärme, die er verbreitet, zunächst eine Weile auf sich warten lässt. Anders beim Gusseisenofen: Er ist zwar ebenfalls ein reiner Strahlungsofen, aber dennoch als schneller Einheizer bekannt. Eine Brennkammer aus Schamottsteinen sowie schnell wärmeabgebende Rauchgaszüge sorgen für eine starke Heizleistung. Vor allem die original antiken Gusseisenöfen sind häufig aufgrund besonders aufwändiger Konstruktionen für ihre enorme Wärmeabgabe bekannt. Etwa seit 1850 gibt es den regulierbaren Gusseisenofen, wie man ihn heute noch in fast unveränderter Form kennt.

Bewährte Feuerungstechnik

Wer glaubt, dass die heutigen modernen Gusseisenöfen zwangsläufig in der Heiztechnik den antiken Exemplaren weit überlegen sein müssen, der ist gewaltig auf dem Holzweg - um in der Sprache von Öfen und Befeuerung zu bleiben. Die alten Gusseisenöfen sind sowohl von der Qualität des verarbeiteten Materials als auch von der Feuerungstechnik oft einzigartig.


Funktionstüchtig restauriert oder als historisches Schmuckstück

Viele der alten Schätze sind verloren gegangen. Da ihr Wert über lange Zeit nicht erkannt wurde, fanden sie ihr Ende häufig auf einem Schrottplatz. Die einzelnen Gussplatten, aus denen einige Modelle zusammengebaut waren, wurden nach der Verschrottung häufig noch als Abdeckplatten für Schornsteine oder auch Jauchegruben eingesetzt. Beim Kauf eines neuen Ofens konnte der alte übrigens auch oft in Zahlung gegeben werden.
Deutschland gilt als das Kernland der Ofengiesskunst und die zahlreichen Hüttenwerke legten Wert darauf, ihre eigenen, unverwechselbaren Kreationen zu schaffen. Es ist der Begeisterung und Sammlerlust einzelner Firmen und Privatleute zu verdanken, dass uns heute noch einige dieser Prachtexemplare zur Verfügung stehen - entweder funktionstüchtig restauriert oder auch nur als besonderes historisches Schmuckstück zur Verschönerung unseres Heims. In einer Zeit, in der wir uns in unseren Wohnzimmern wieder gerne mit einem Hauch von Nostalgie umgeben, ist ein original antiker Gusseisenofen vielleicht gerade das Richtige, um die gewünschte Atmosphäre zu schaffen.


Überlegungen vor dem Kauf

Sofern man sich mit dem Kauf eines historischen Gusseisenofens etwas näher beschäftigt, wird man schnell feststellen, dass hierbei zunächst einige Überlegungen anzustellen sind. Vielleicht sollte man sich als erstes die Frage nach dem Brennstoff stellen, mit dem man heizen möchte. Habe ich die Möglichkeit, mit umweltfreundlichem Holz zu heizen, das heisst, sind Beschaffung und Lagerplatz gewährleistet? Oder sollte vielleicht auch eine Feuerung mit Brikett oder Kohle möglich sein? Es wird hier zwischen den typischen Holzöfen und den typischen Kohleöfen unterschieden. Wie sind die räumlichen Gegebenheiten, an welcher Stelle soll der Ofen in der Wohnung aufgestellt werden, und wie hoch ist entsprechend der Heizbedarf des zu erwärmenden Raumes? Auch wenn ein Gusseisenofen in den meisten Fällen nur in der Übergangszeit und an besonders ungemütlichen Tagen als Zusatzheizung eingesetzt wird, so lassen sich bestimmte Typen, wie der Dauerbrandofen oder der Allesbrenner, durchaus auch als Hauptheizung verwenden. Sollte vielleicht auch die Möglichkeit zum Warmhalten von Speisen oder gar zum Kochen gegeben sein? Wie sieht es mit dem Schornstein aus? Der zuständige Kaminfeger muss in jedem Fall in Ihre Überlegungen mit einbezogen werden. Er wird Ihnen gern als kompetenter Berater zur Seite stehen.


Der Kastenofen als Urform

Von der mittlerweile angebotenen Vielfalt an unterschiedlichen Arten von historischen Gusseisenöfen kann hier nur ein verschwindend kleiner Teil erwähnt werden.
Die älteste Form des Gusseisenofens ist der holzbefeuerte Kastenofen aus dem 15. Jahrhundert, der bis ins 20. Jahrhundert gebaut wurde. Da er sich hauptsächlich aus verzierten Platten zusammensetzt, wird er auch als Plattenofen bezeichnet. Diese Urform des Eisenofens ist meist ein Hinterlade, das heisst, er wird von einem anderen Raum her mit Holz beheizt.

Spätere Grundformen und Unterformen
In den späteren Epochen, im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich als weitere Grundform der Säulen- oder Rundofen, woraus wiederum zahlreiche Unterformen entstanden. Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts kommt der Etagenofen neu hinzu. Er besteht aus einem Brennkasten sowie aus bis zu fünf aufgesetzten Etagen. Markantes Merkmal ist oftmals eine Öffnung in der Mitte der Etagen, die entweder freien Durchblick gewährt oder mit durchbrochenen Türchen versehen ist. Es handelt sich hierbei um einen typischen Holzofen, der aufgrund seiner Bauart mit extrem wenig Brennmaterial auskommt. Motive aus der Natur oder aus der antiken Mythologie verzieren die Gussöfen aus dieser Zeit.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchen Bezeichnungen wie Figurenöfen, Möbelöfen oder Postamentöfen auf, deren Dekor eine Mischung aus vergangenen Stilepochen ist. Anfang des 20. Jahrhunderts setzt sich dann ein schlichter Dauerbrandofen durch, dessen Dekor jegliche Verspieltheit verloren hat.
Für einige unter den Lesern ist sicherlich der bis ca. 1930 gebaute "Kanonenofen" noch ein Begriff, der Erinnerungen an längst vergangene Tage wachruft. Eine schmale hohe Brennkammer verrät, dass dieser Ofen für den Abbrand von Kohle gedacht ist. Kohle ist im Gegensatz zu Holz ein kurzflammiger Brennstoff, der aufeinander liegend zum Abbrand gebracht werden muss.
Die hier genannten Ofenformen sind nur einige der wesentlichen Grundformen, über deren Bezeichnung man bei einem Kauf eventuell "stolpern" könnte. Doch neben den Formen richtet sich die Bezeichnung der Öfen beispielsweise auch nach der Konstruktion, dem Dekor oder dem Aufstellungsort. Wenn Sie etwas tiefer in die Welt der antiken Gusseisenöfen eintauchen, so werden Sie auf Bezeichnungen wie Regulierofen, Zirkulationsofen, Märchen- oder Jagdofen, Armeleutofen, Kirchen- oder Kajütenofen treffen.


Brennstoffe

Von der Wahl des Brennstoffs her unterscheidet man im wesentlichen den Holz-/Brikettofen, den Allesbrenner und den Dauerbrandofen.
Ein Holzbrandofen bietet in vielerlei Hinsicht Vorteile. Nicht nur die schnell erzeugte Wärme, sondern auch der positive Umweltaspekt fallen hierbei ins Gewicht. Holz ist der einzige Brennstoff, mit dem die Natur im Gleichgewicht gehalten wird. Da Braunkohle wie Holz ein langflammiger Brennstoff ist und möglichst waagerecht abbrennen sollte, gibt es zahlreiche Öfen, die für den Abbrand beider Brennstoffe geeignet sind. Typische historische Holz-/Brikettöfen sind beispielsweise der Etageofen, der Wirtschaftsaufsatzofen und der Hopewellofen.
Der so genannte Allesbrenner lässt sich mit Kohle oder auch Holz füttern, obwohl er von der Konstruktion her eher für die Befeuerung mit Kohle ausgelegt ist.Vom Kohle betriebenen Dauerbrandofen unterscheidet er sich hauptsächlich nur durch die für die Holzzugabe breiter angelegter Brennkammer. Der antike Regulierfüllofen ist ein besonders gutes Beispiel für einen Allesbrenner alter Bauart, dessen Verbrennungstechnik heute noch teilweise nachgebaut wird.
Da für den Dauerbrand nur der kurzflammige Brennstoff Kohle infrage kommt, ist der Dauerbrandofen ein reiner Kohleofen mit hoher Brennkammer. Je nach Konstruktion wird zwischen dem Durchbrandofen und dem Unterbrandofen unterschieden. Beim Durchbrandofen ist die Brennkammer ausgemauert und er brennt von unten nach oben ab; umgekehrt ist es beim nicht ausgemauerten Unterbrandofen, bei dem die Füllung von oben nach unten abbrennt.


Weitergehende Infos

Wir wollen es bei diesen Kurzbeschreibungen bewenden lassen, die Ihnen den Weg zur Auswahl des für Sie passenden Schmuckstücks vielleicht etwas geebnet haben. Allzu viel Theorie darf es auch nicht sein, und deshalb bleibt der gute Rat: Falls Ihr Interesse geweckt worden sein sollte, schauen Sie sich doch einfach einmal einen original antiken Gusseisenofen oder aber auch einen Nachguss in Natura an.

 

 
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