-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Oelheizung - 15.08.2018
 Haustechnik / Heizung / Oelheizung       


SAUBER UND VARIABEL

Die Anforderungen an Heizungen werden immer anspruchsvoller. Im Zuge energieeffizienter Bauweisen steigt die Nachfrage nach Ölkesseln, die in kleinen Mengen und vor allem variabel verbrennen.

Heizöl ist nach wie vor der Hauptenergieträger für die Wärmeerzeugung in unseren Haushalten. Sowohl in der Anschaffung als auch in bezug auf die jährlichen Energiekosten sind die mit Öl betriebenen Anlagen etwas günstiger als Gasheizungen. Aber nicht nur in finanzieller, auch in ökologischer Hinsicht wurden Ölheizungen stark verbessert. Vor allem die strengeren Anforderungen an die Luftreinhaltung der neunziger Jahre gaben den Ausschlag dazu. Die bessere Umweltverträglichkeit wurde mit sogenannten Öko-Heizölen, die einen besonders niedrigen Stickstoff- und Schwefelgehalt aufweisen, gesteigert. Zum anderen sorgte die neue und saubere Low-NOx-Verbrennungstechnik, besser bekannt unter der Bezeichnung "blaue Flamme", für eine massive Reduktion des Stickstoffgehalts.

Heizen mit Öl

Die Kessel können zwischen Stahl-, Guss- und Ölspezialheizkessel variieren. Besonders bei den Ölheizsystemen müssen Kessel und Brenner exakt aufeinander abgestimmt sein, um das Heizöl optimal zu nutzen. Beim Gelbbrenner wird das Öl mit einer Düse unter Druck zerstäubt, ein zündfähiges Luft-Öl-Gemisch bildet sich. Das Öl wird vorgewärmt und ein störungsfreier Betrieb mit guten Verbrennungsergebnissen erreicht. Konstruktionsbedingt kann das Öl nicht vollständig vergasen, der verbleibende Kohlenstoff lässt die Flamme hellgelb strahlen.
Der Blaubrenner ist ein vollautomatischer, einstufig arbeitender Ölzerstäubungsbrenner. Durch eine spezielle Öl-Luft-Gemischaufbereitung und die Rezirkulation der Verbrennungsgase wird eine vollständige Vergasung des Heizöls erreicht. Das Gasgemisch verbrennt unter Abgabe einer blauen Strahlung. Um eine exakte Abstimmung beider Systemkomponenten zu erreichen, empfiehlt sich auch hier ein Unit. Generell sollte eine effiziente Brennerlaufzeit mindestens 1.600 bis 2000 Stunden im Jahr betragen. Bei Öl liegen die pH-Werte um 1,8 bis 3,7 im sauren bis aggressiven Bereich. Aus diesem Grund wird - wie beim Gas - bei einer Heizleistung ab 25 kW grundsätzlich ebenso eine Neutralisation des Kondensats gefordert. Das neutralisierte Kondensat wird in die örtliche Kanalisation eingeleitet, jedoch muss die kommunale Abwasserverordnungen beachtet werden.


Schadstoffarm und sauber

Im Gegensatz zu den konventionellen Heizkesseln, die so gebaut sind, dass der Wasserdampf und die darin enthaltene Wärme ungenutzt in den Kamin entweichen können, werden bei der Kondensationstechnik die Abgase im Heizkessel über grössere Wärmetauschflächen geführt und unter den Taupunkt von Wasserdampf abgekühlt. Dadurch kondensiert der Dampf, und die entzogene Wärme wird dem Heizkreislauf zugeführt. Mit diesem zusätzlichen Wärmegewinn kann man den Wirkungsgrad einer Anlage um bis zu sechs Prozent steigern. Ausserdem genügt nur ein einfaches, günstiges Kunststoffrohr als Kamin.


Heizkessel und Brenner

Diese beiden Hauptbestandteile entscheiden über den Norm-Nutzungsgrad einer komplexen Heizungsanlage. Dieser sollte generell bei Niedertemperatur-Ölheizungen nicht unter 93 Prozent, bei Öl-Brennwertkesseln nicht unter 102 und bei Gasbrennwertkesseln nicht unter 105 Prozent liegen. Da sich der Heizungskessel-Wirkungsgrad auf den so genannten unteren Heizwert bezieht und durch diese Technologie der Brennwert des Energieträgers genutzt wird, lässt sich der Wirkungsgrad auf mehr als 100 Prozent steigern. Seit 1998 sind zwei Kesseltypen Stand der Technik:Niedertemperaturkessel (auch Tieftemperaturkessel genannt) und Brennwertkessel beziehungsweise -thermen. Ein Niedertemperatursystem zeichnet sich durch modulierende, automatische Steuerung der Kesselwassertemperatur entsprechend der Witterung zwischen 75 und 30 Grad Celsius aus. Die Auswahl von Ölheizungen mit Brennwerttechnik ist jedoch im Gegensatz zu der von Gasheizungen noch gering. Neue Wohnhäuser sollten als Heizanlage der Zukunft eine Brennwertanlage erhalten. Sie nutzen auch die "schlummernden" Energieanteile - die Kondensationswärme im Wasserdampf - zum Heizen und erreichen so rechnerische Wirkungsgrade von bis zu 110 Prozent. Im Gegensatz zu früheren Kesseln  (1970-85) lassen sich heute durch Niedertemperaturkessel etwa 26 Prozent, mit Brennwert-Anlagen sogar bis zu 38 Prozent Energie, bei stark verringerten Emissionen, einsparen. Aufgrund der modulierenden Betriebsweise sowie verbesserter Dämmung konnten auch die Auskühlverluste auf 2 bis 3 Prozent gesenkt werden.


Neue Systeme

Die neuen Ölheizgeräte können auch an der Wand montiert werden. Diese Wandkessel lassen sich gut mit anderen Heizsystemen, wie zum Beispiel einer Solaranlage oder einer Umweltwärmenutzung, kombinieren. Zudem bieten diese Wandheizgeräte verschiedene Möglichkeiten der Plazierung: im klassischen Heizraum sowie im Erd- oder im Dachgeschoss. Trotz allem liegt die Wärmeleistung der heutigen Ölbrenner immer noch zu hoch, etwa bei 12 kW. Der Bedarf im EFH-Bereich wird dank der guten Dämmtechniken aber immer kleiner. Deshalb steigt die Nachfrage nach Wärmeerzeugern, die an die effektiven Anforderungen eines Gebäudes angepasst werden können. Durch stetige Weiterforschung wurde bereits ein Perpetumbrenner entwickelt.  Bei diesem neuen Gerät erfolgt die Aufbereitung des flüssigen Brennstoffs mittels Rotationssystem. Die Öl- bzw. die Luftzufuhr wird durch Mikroprozessoren stufenlos geregelt. Dieser sogenannte modulierende Betrieb erreicht eine Heizleistung, deren untere Grenze bei zirka 5 kW liegt. Was bedeutet: Auch mit Heizöl kann man künftig in kleinen Mengen variabel und sauber heizen.

 

 
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