-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Kautschuk - 24.05.2018
 Ausbau / Bodenbeläge / Kautschuk       


SCHWERARBEITER UNTER DEN ELASTISCHEN BODENBELAEGEN

Naturkautschuk wird aus dem Milchsaft des im Amazonasgebiet heimischen Kautschukbaumes (Hevea Brasiliensis) gewonnen. Durch den auch unter dem Namen "Reifen-Goodyear" bekannten Charles Goodyear und siner Entdeckung der Vulkanisation im Jahre 1839 wurde es in der Folgezeit möglich, Kautschuk chemisch-technisch zu nutzen.


Eigenschaften &Vorteile

Kautschuk-Beläge sind die Schwerarbeiter unter den elastischen Bodenbelägen. Wenn es hart auf hart kommt, sind sie die erste Wahl, da sie ausserordentlich strapazierfähig, unempfindlich gegenüber mechanischen Einwirkungen und gegen Zigarettenglut beständig sind. Auch Säuren, Laugen, Fette oder Öle können Gummibeläge bei kurzfristiger Einwirkung nichts anhaben. Aufgrund dieser Eigenschaften sind sie für extrem stark frequentierte Objekte, wie z.B. U-Bahnsteige, Flughäfen oder industriell genutzte Bereiche ideal geeignet.
Für spezielle Anforderungen in extremen Einsatzbereichen werden Beläge aus besonderen Kautschukqualitäten angeboten, die auch starken Säuren und Laugen widerstehen, brandfest, UV-beständig oder leitfähig sind. Manche Qualitäten sind so unempfindlich gegen Einkerbungen und Kratzer, dass sie sogar für die Gänge in Eissporthallen uneingeschränkt eingesetzt werden können. Andere Beläge eignen sich wiederum für die ganzjährige Verlegung im Freien.
Wie alle anderen elastischen Bodenbeläge bieten auch Kautschuk-Beläge hohen Geh- und Stehkomfort sowie ein Trittschallverbesserungsmass. Kautschuk-Beläge sind aufgrund ihrer extrem dichten, geschlossenen Oberfläche schmutzabweisend und daher leicht zu reinigen. Ein weiterer Vorteil der Produktfamilie Kautschuk besteht in ihrer starken Massstabilität, wodurch ein Verfugen meist nicht notwendig wird. Das wiederum hat geringere Verlegekosten zur Folge und sorgt für ein ausgewogenens Flächenbild, frei von unansehlichen und leicht anschmutzende Fugen.


Herstellungsverfahren

Elastomer-Beläge bestehen aus Synthese-Kautschuk, Russ, Farbstoffe, Schwefel, Zinkoxid, Stearinsäure, Beschleuniger, Alterungsmittel und Hilfsstoffe. Je nach Art und Umfang der Zusammensetzung werden Beläge mit spezifischen Eigenschaften hergestellt, z.B. leitfähige oder besonders brandfeste Qualitäten.
Um Elastomer-Beläge herzustellen, werden diverse Synthese-Kautschuksorten und die Zuschlagstoffe in Knetern gemischt und so plastifiziert. Danach läuft die Masse über Walzwerke und Kalander. Beim anschliessenden Vulkanisieren ("dem Feuer aussetzen") entsteht aus der thermoplastischen Kautschukmasse ein Elastomer. Ausserdem bewirkt der Vorgang des Vulkanisierens, dass das Elastomer abriebfest sowie wasser- und dampfdicht wird.

Die Dessins
Kautschuk-Beläge brillieren mit einer breiten Dessin- und Farbpalette: Egal ob dezent oder designorientiert, gepunktet oder uni, ob coole Stimmung in Blau oder modisch-frischer Farbüberschwang, dem individuellen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt.
Design pur ermöglichen einige Belagshersteller mit ihrem umfangreichen Zubehörprogrammen. Objekte, Wohnungen oder Büros können mit Elementen wie Hohlkehlprofilen, Sockelleisten oder kompletten Treppensystemen perfekt in einer einheitlichen Optik gestaltet werden.
Als besonders kreativ und immer beliebter erweisen sich Bodengestaltungen mit Intarsien und Randfriesen. Dadurch werden Räume optisch und funktional gegliedert und erhalten so eine ganz individuelle Note.

Qualität
Elastische Bodenbeläge werden sehr unterschiedlich beansprucht. So ist z.B. die Belastungsintensität, gegen die ein solcher Belag standhalten muss, im Foyer eines Flughafens weitaus höher als in der Diele eines Privathaushaltes. Aus diesem Grund werden elastische Bodenbeläge in unterschiedliche Beanspruchungsklassen eingestuft, wobei die Klassifizierung nach K-Werten erfolgt. Unterschieden wird zwischen leichter (K1), mässiger (K2), mittlerer (K3), starker (K4) und sehr starker (K5) Beanspruchung.

- Der Belag ist für Feuchträume geeignet.
- Der Belag ist für Fussbodenheizung geeignet.
- Der Belag ist stuhlrollengeeignet.
- Der Belag ist treppengeeignet.
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Der Belag ist antistatisch ausgerüstet.

Antistatische Bodenbeläge schützen vor dem unangenehmen Gefühl unvermittelt einen Stromstoss zu empfangen. Sie sollten überall dort eingesetzt werden, wo Computer und andere elektronische Geräte betrieben werden, da diese sonst beschädigt werden könnten, denn der Belag ist leitfähig.
In Bereichen, in denen Explosionsgefahr besteht oder in denen hochempfindliche medizinische Geräte betrieben werden, sind leitfähige Bodenbeläge ein absolutes Muss, um die Sicherheit von Personen und Sachwerten zu gewährleisten.

- Der Belag ist recycelbar.
- Der Belag ist zigarettenglutbeständig.
- Der Belag ist extrem brandfest.
- Der Belag ist brandtoxikologisch unbedenklich.
- Der Belag ist öl- und fettbeständig.
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Der Belag ist extrem kerbzäh.


Reinigung & Pflege

Eines der herausragenden Charakteristika von Kautschuk-Belägen ist ihre leichte Reinigung und Pflege: Fegen, Staubsaugen oder feuchtes Wischen reichen meist vollkommen aus, um die normale Unterhaltsreinigung zu bewerkstelligen.
Bei stärkerer Verschmutzung kann der Boden auch feucht gewischt werden, indem man einfach dem Putzwasser ein neutrales Reinigungsmittel beifügt. Dabei wird ein zusätzliches Nachwischen in der Regel nicht erforderlich sein. Ausserdem bleibt nach dem Trocknen auf der Bodenoberfläche ein schützender Pflegefilm erhalten.
Auch Verunreinigungen in Form von Flecken lassen sich leicht durch den Einsatz von Allzweickreinigern bzw. Reinigungsbenzin entfernen. Anschliessend wird mit klarem Wasser nachgewischt und der Boden strahlt wieder wie am ersten Tag.
Je nach Beanspruchung des Bodens kann der Belag nach der ersten Reinigung mit einem dauerhaften Pflegefilm ausgestattet werden, der vor extremer Beanspruchung schützt und den Reinigungsaufwand verringert. Dies empfiehlt sich vor allem bei hellen Bodenbelägen.
Einige elastische Beläge müssen nach dem Verlegen versiegelt werden, um sie langfristig vor Schäden durch Schmutz u.ä. zu schützen. Die Versiegelung wird nach einer ersten Grundreinigung (Fegen und Wischen) aufgetragen.


Verlegung

Kautschuk-Bodenbeläge lassen sich relativ leicht selbst verlegen. Dabei sollte man aber auf einige Punkte achten:
1. In den meisten Fällen lassen sich Kautschuk-Beläge problemlos auf dem alten Belag verlegen. Aber Vorsicht! Bis in die 80er Jahre hinein enthielten manche CV-Beläge und Flex-Platten Asbest. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welchen Altbelag Sie vor sich haben, sollten Sie besser einen Fachmann fragen.
2. Der Untergrund muss sauber, eben und trocken sein.
3. Der Belag sollte sich mindestens einen Tag vor der Verarbeigung an das herrschende Raumklima "gewöhnen".
4. Das Verlegen von Platten- und Bahnenware unterscheidet sich grundsätzlich. Ihr Fachhändler wird Ihnen gerne erklären, wie Sie dabei vorgehen müssen.
5. Bis zu einer Raumgrösse von ca. 20 qm können Wohnbeläge lose verlegt werden. Sogar in grösseren Räumen müssen die Kanten meist nur mit Doppelklebeband fixiert werden.
6. Normalerweise ist ein Verfugen von Kautschuk-Belägen nicht nötig. Trotzdem ist dies in einigen Fällen zu empfehlen: in Nassräumen, in Räumen mit besonderen Anforderungen an die Hygiene oder bei feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen.
Bei komplizierteteren Grundrissen, bei Treppenbelägen oder wenn umfangreiche Vorarbeiten notwendig sind, sollten Sie die Verlegung in die Hände des Fachmanns geben. Er verfügt über das notwendige Fachwissen sowie technische Know-How und gewährleistet, dass seine Arbeit fächlich korrekt ausgeführt wurde.


Tipps & Tricks

Die namhaften Produzenten von Kautschuk-Bodenbelägen bieten überwiegend Qualitäten an, die keine gesundheitsgefährdenden Stoffe, wie z.B. Weichmacher, Halogene, Formaldehyd, Asbest, FCKW oder Cadmium enthalten. Ein weiteres Plus für die Umwelt: Kautschuk-Beläge sind recycelbar. Einige Hersteller haben Produkte im Programm, die bis zu 80% aus Recyclat bestehen.

Private Nutzung K-Wert             
Schlafräume und andere wenig genutzte Bereiche K1
Wohnräume, Küchen, Kinderzimmer, Hobbyräume K2
Wohnräume mit starker Nutzung K3
Gewerbliche Nutzung K-Wert
Altenheime, Krankenzimmer, Büros mit geringer Nutzung K4
Stark frequentierte Bereiche wie Kaufhäuser, Boutiquen, Schulen, Leichtindustrie       K5

 

 
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