-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema PVC - 25.02.2018
 Ausbau / Bodenbeläge / PVC        


ENORM VIELSEITIG

Die Abkürzung PVC steht für Polyvinylchlorid. Dabei handelt es sich um einen unter Hitze verformten (thermoplastischen), aus Vinylchlorid durch Polymerisation hergestellten Kunststoff. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Arten: Hart-PVC und Weich-PVC.
Aus Hart-PVC werden beispielsweise Abfluss- und Kanalrohre, Dachrinnen oder Profile, aber auch die gute alte Schallplatte ("Vinyl") hergestellt. Weich-PVC wird für die Isolierung und Ummantelung von Drähten und Kabeln verwendet, zur Fertigung von Schläuchen, Profilen, Folien, Schaumstoffen, Schutz- und Regenbekleidung und vor allem auch von Wand- und Bodenbelägen.
PVC zeichnet sich durch eine enorme Vielseitigkeit aus: Ob als biegsamer Schlauch oder als schlagfestes Rohr, ob glasklar oder eingefärbt, ob dünne Folie oder massives Plastisol - der Grundwerkstoff ist immer PVC.
Eine Sorte von PVC-Belägen wird auch als CV-Belag (Weich-PVC) bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und heisst cushioned vinyls (cushion = Kissen), was sich auf die weich federnde Schaumunterlage des Belages bezieht. Diese wärmedämmende Schaumschicht wird auf einen Stabilisierungsträger aufgeschäumt und entweder geprägt oder bedruckt.

Eigenschaften & Vorteile
Elastische Bodenbeläge sind wegen ihrer ausgezeichneten Produkteigenschaften und der günstigen Preisgestaltung in Privathaushalten sehr beliebt. Kein anderer Belag ist so leicht zu reinigen und zu pflegen. Zudem sind PVC-Beläge allen haushaltsüblichen Beanspruchungen gewachsen: Sie sind wasserfest und resistent gegenüber Ölen, Fetten und vielen Chemikalien.
Vor allem  in Küche und Bad sind elastische Bodenbeläge unschlagbar: Fallende Gegenstände werden, anders als bei Fliesenböden, weich abgefangen. Schäden am Bodenbelag können einfach, schnell und preiswert ausgebessert werden. Auch sind PVC-Qualitäten für Allergiker geeignet, weil sich Staub und Schmutz anstatt sich festzusetzen durch feuchtes wischen leicht entfernen lassen. Die besonderen hygienischen Eigenschaften von PVC-Belägen macht man sich überall zunutze, wo es besonders sauber zugehen muss: in Laboren, OPs oder Reinräumen. Da sich die PVC-Bahnen zu fugenlosen Flächen verschweissen und durch Aufbiegen an den Wänden zu nahtlosen Wannen formen lassen, können sich weder Schmutz noch Keime ansiedeln.

Herstellungsverfahren
Thermoplaste sind Kunststoffe, die bei höheren Temperaturen weich werden und sich beliebig verformen lassen. Der für die Herstellung von PVC-Belägen verwendeten Kunststoffmasse werden, um thermoplastische Eigenschaften zu erhalten, zunächst Weichmacher zugesetzt. Anschliessend werden Stabilisatoren beigefügt, die den Bodenbelag vor Vergilbung und thermischer Zersetzung bewahren. Mit Füllstoffen wie Kreide oder fein gemahlenem Sandstein wird die Trittelastizität verbessert. Durch Einbindung von Pigmenten wird die Farbe erzielt. In einer Walzenanlage, dem so genannten Kalander, wird das Gemisch geknetet, zu Bahnen ausgewalzt und anschliessend getempert (getrocknet). Der fertige Bodenbelag kann nun als Fliesen- oder Bahnenware auf den Markt kommen. Neben dem Kalanderverfahren sind auch das Block-Pressverfahren (zur Herstellung leitfähiger Platten) und das Streichverfahren (für Beläge mit Trägern) üblich.

Die Dessins
Ob ländlich-rustikal, kühl-modern oder avantgardistisch - bei PVC-Bodenbelägen hat man die Qual der Wahl, denn das Spektrum an Farben, Texturen, Mustern und Effekten ist gigantisch. Die Dessins reichen von aufwendigen, zeitlos eleganten Steinoptiken über naturgetreue Reproduktionen edler Hölzer bis hin zur klassischen Fliesenoptik und Fantasiemustern. Klare geometrische Muster, raffinierter Metallic-Look oder moderne Dekore voller Leben - die Gestaltungsvielfalt ist unbegrenzt. Lassen Sie sich auf das Spiel mit Farben und Formen ein und kombinieren Sie verschiedene Dessins und Materialien nach Ihrem persönlichen Geschmack. Schaffen Sie sich auf diese Weise ein unverwechselbares, individuelles Raumerlebnis.

Qualität
Elastische Bodenbeläge sind sehr unterschiedlichen Belastungen unterworfen. Im Foyer eines Flughafens ist die Nutzungsintensität weitaus höher als in der Diele eines Privathaushaltes. Deshalb sind elastische Bodenbeläge in Beanspruchungsklassen eingestuft. Die Klassifizierung erfolgt nach K-Werten. Unterschieden wird zwischen leichter (K1), mässiger (K2), mittlerer (K3), starker (K4) und sehr starker (K5) Beanspruchung.
Die EN 685 unterscheidet zwischen den Verwendungsbereichen "Wohnen", "Gewerblich" und "Industriell". An die Qualität von Bodenbelägen im Objektbereich (öffentliche, gewerbliche oder industrielle Nutzung) werden weitaus höhere Anforderungen gestellt als an die in Privathaushalten genutzten (Homebereich).
Die über die normale Klassifizierung hinausgehenden Zusatzeignungen werden mit folgenden Piktogrammen dargestellt:

- Der Belag ist feuchtraumgeeignet.
- Der Belag ist für Fussbodenheizung geeignet.
- Der Belag ist stuhlrollengeeignet.
- Der Belag ist treppengeeignet.
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Der Belag ist antistatisch ausgerüstet.

Antistatische Bodenbeläge schützen vor unvermittelten Stromstössen. Sie sollten überall dort eingesetzt werden, wo Computer und andere elektronische Geräte betrieben werden, da diese sonst beschädigt werden könnten, denn der Belag ist leitfähig.
In Bereichen, in denen Explosionsgefahr besteht oder hoch empfindliche medizinische Geräte betrieben werden, sind leitfähige Bodenbeläge ein absolutes Muss, um die Sicherheit von Mensch und Technik zu gewährleisten. Der Belag ist recycelbar und Zigarettenglutbeständig.

Reinigung und Pflege
Ein herausragendes Merkmal von PVC-Belägen ist die unkomplizierte Pflege. Für die normale Reinigung reicht meist Fegen, Staubsaugen oder feuchtes Wischen vollkommen aus. Bei stärkerer Verschmutzung ist die Beigabe eines neutralen Reinigungsmittels ins Putzwasser empfehlenswert, ein Nachwischen ist meist nicht nötig. Nach dem Trocknen verbleibt auf der Bodenoberfläche ein schützender Pflegefilm. Auch Verunreinigungen durch Flecken lassen sich leicht mit Allzweckreinigern oder Reinigungsbenzin entfernen. Anschliessend wird mit klarem Wasser nachgewischt und der Boden strahlt wieder wie am ersten Tag. Je nach Beanspruchung des Bodens kann der Belag nach der ersten Reinigung mit einem dauerhaften Pflegefilm ausgestattet werden, der vor extremer Beanspruchung schützt und den Reinigungsaufwand verringert. Dies ist vor allem bei hellen Bodenbelägen sinnvoll.

Verlegung
1. In den meisten Fällen lassen sich PVC-Beläge problemlos auf dem alten Belag verlegen. Vorsicht: Bis in die achtziger Jahre hinein enthielten manche CV-Beläge und Flex-Platten Asbest. Wer nicht sicher ist, welchen Altbelag er vor sich hat, fragt besser einen Fachmann.
2. Der Untergrund muss sauber, eben und trocken sein.
3. Der Belag sollte sich mindestens einen Tag vor der Verarbeitung an das herrschende Raumklima gewöhnen.
4. Das Verlegen von Platten- und Bahnenware unterscheidet sich grundsätzlich. Jeder Fachhändler wird gerne erklären, wie dabei vorzugehen ist.
5. Bis zu einer Raumgrösse von ca. 20 qm können Wohnbeläge lose verlegt werden. Selbst in grösseren Räumen reicht es meist aus, die Kanten nur mit Doppelklebeband zu fixieren.
Bei komplizierteren Grundrissen, bei Treppenbelägen oder wenn umfangreiche Vorarbeiten notwendig sind, sollte man die Verlegung einem Fachmann überlassen. Er verfügt über das notwendige Fachwissen und das technische Know-How, zudem gibt er auf seine Arbeit Gewährleistung.

Vorurteile
PVC ist ein qualitativ hochwertiger, sehr leistungsfähiger Werkstoff, der im Baubereich oft konkurrenzlos ist. Trotzdem hat er ein negatives Image. Schuld daran sind einige weit verbreitete und immer wieder kolportierte Vorurteile, die wir hier entkräften wollen. Dazu gibt es eine Reihe guter Nachrichten:

Vorurteil: "PVC-Bodenbeläge sind brandgefährlich".
Tatsache: PVC-Bodenbeläge tragen nicht zur Ausbreitung von Feuer bei. Sie fangen erst dann an zu brennen, wenn andere Materialien durch die eigene Erhitzung entsprechende Voraussetzungen schaffen.

Vorurteil: "PVC ist giftig".
Tatsache: PVC ist gesundheitlich völlig unbedenklich! Deshalb wird PVC im medizinischen Bereich beispielsweise für künstliche Herzklappen und im Lebensmittelbereich für Verpackungen und auch für Trinkwasserrohre eingesetzt.

Vorurteil: "Alte PVC-Bodenbeläge landen als Sondermüll in Deponien".
Tatsache: PVC-Produkte sind extrem langlebig und nach Gebrauch gut wieder zu verwerten. Führende Bodenbelagsproduzenten und PVC-Hersteller haben sich in der Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelagsrecycling zusammengeschlossen.
Sie garantieren die Rücknahme der Altbeläge und bereiten diese meist zu neuen Belägen wieder auf.

Vorurteil: "Die PVC-Herstellung ist grundsätzlich ökologisch und ökonomisch bedenklich."
Tatsache: Die Ökobilanz von PVC-Produkten ist gut, denn Herstellung und Verarbeitung erfordern relativ wenig Rohstoffe und Energie, was PVC zu einem preiswerten Werkstoff macht. Die PVC-Industrie ist mit ungefähr 100.000 Beschäftigten eine der wenigen Wachstumsbranchen in Deutschland.

Private Nutzung K-Wert             
Schlafräume und andere wenig genutzte Bereiche K1
Wohnräume, Küchen, Kinderzimmer, Hobbyräume K2
Wohnräume mit starker Nutzung K3
Gewerbliche Nutzung K-Wert
Altenheime, Krankenzimmer, Büros mit geringer Nutzung K4
Stark frequentierte Bereiche wie Kaufhäuser, Boutiquen, Schulen, Leichtindustrie       K5

 

 
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