-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Generelles - 15.08.2018
 Haustechnik / Sicherheitstechnik / Generelles       


GELEGENHEIT MACHT DIEBE

"Wer soll bei uns schon einbrechen - es gibt bei uns doch nichts zu holen!" Wer so denkt, könnte schon bald das nächste Opfer eines Einbruchdiebstahls sein, denn beinahe alle zwei Minuten wird ein Einbruch verübt. Es werden nicht nur die Häuser der Reichen, sondern vor allem die Wohnungen derer, die sich eher zur Mittelschicht zählen, bestohlen.
Einer Kriminalstatistik zufolge ereignen sich ca. 1/3 aller Einbrüche, ohne dass irgendwelche Spuren von Gewaltanwendung zu finden sind. Oft stehen Fenster und Balkontüren in Erdgeschosswohnungen offen, obwohl niemand zu Hause ist.
In vielen Fällen trugen die Opfer sogar selbst zum "Einsteigen" bei. Da liegt beispielsweise der Hausschlüssel unter der Fussmatte oder im Blumenkasten versteckt. Vereinzelt wird den Einbrechern auch der Hausschlüssel direkt in die Hände gelegt, wenn zum Beispiel per Zeitungsannonce jemand zur Pflege von Haustieren und Pflanzen während des Urlaubs gesucht wird.


Einbrecher nutzen jede Gelegenheit

70 Prozent aller Einbrüche ergeben sich spontan, "weil die Gelegenheit gerade so günstig war". Amateurkriminelle und Gelegenheitsdiebe sind selten an irgendwelchen äusseren Merkmalen zu erkennen, wenn gleich ein Grossteil Jugendliche und Beschaffungskriminelle ausmachen. Sie führen kein auffälliges Einbruchwerkzeug mit sich. Oft genügt ihnen schon eine Zange oder ein Schraubenzieher, um eine Tür zu öffnen bzw. ein Glasschneider, um ein Loch in die Fensterscheibe zu schneiden.
Kuriosestes Einbruchswerkzeug, das sogar im freien Handel angeboten wird, aber eigentlicht nur für Feuerwehr und Aufsperrdienste gedacht ist, ist ein korkenzieherähnliches Gerät namens "Ziehfix". Mit ihm wird auch abgesperrtes Zylinderschloss in Sekundenschnelle geknackt.
Gelegenheitseinbrecher kommen bevorzugt während der Mittagsstunde und machen sich den Alltag ihrer Umgebung, den Mittagslärm und die Anonymität unter den Bewohnern zunutze. Sie interessieren sich vor allem für Hochhauswohnungen, aber auch an schlecht gesicherten Einfamilienhäusern gehen Gelegenheitseinbrecher nicht ungerührt vorbei. Sie stehlen alles, was sich problemlos mitnehmen lässt. Dabei ist weniger entscheidend wie viel zu holen ist, sondern vielmehr, wo man mühelos einbrechen kann.


"Grosse Fische" für Profis

Für den Profieinbrecher muss es sich einfach lohnen. Im Gegensatz zu den Gelegenheitseinbrechern wägt er seinem "Bruch" ganz nüchterne Erfolgschancen und Risiken gegeneinander ab. Sogar das zu erwartende Strafmass für den Fall, dass er erwischt wird, wird bei der Planung berücksichtigt. Professionelle Kriminelle ziehen genaue Erkundigungen über die Lebensgewohnheiten der Bewohner, ihre Wertsachen und deren Absicherung ein. An erster Stelle auf den Einbruchlisten der "Professionellen" stehen Villen, und exklusive Einfamilienhäuser, an reizvollen Objekten ist ihnen kaum ein Aufwand zuviel. Diese Art Einbrecher führt je nach Situation auch sehr schweres Einbruchwerkzeug mit sich. Ihr technisches Know-how reicht oft sogar dafür aus, einfache Alarmanlagen ausser Gefecht zu setzen.


Die Zeiten der Einbrüche - Urlaubszeit ist Hochsaison

Während der schönsten Zeit des Jahres, der Urlaubszeit, haben auch Einbrüche Hochsaison. Ungestört dringen die Täter dann in den Wohnbereich ein und bedienen sich an Hab und Gut.
Einbrecher riechen es förmlich, wenn Wohnungen längere Zeit leerstehen oder Häuser unbewohnt sind. Eindeutige Hinweise dafür sind zum Beispiel überquellende Briefkästen, wochenlang heruntergelassene Jalousien, immer gleichvolle Mülltonnen und ein Anrufbeantworter, der verkündet, dass Sie derzeit im Urlaub sind. Unter Zeitdruck hingegen stehen diejenigen Einbrecher, die sich die kurzfristige Abwesenheit der Bewohner zunutze machen. Das ist vor allem während der Mittagszeit zwischen 11.00 und 14.00 Uhr, wenn die Bewohner zur Arbeit bzw. beim Einkaufen sind, aber auch während der Nacht, wenn alle auf einer Abendveranstaltung sind oder tief schlafen.


Einbrecher wählen den leichtesten Weg

Bevorzugte Einstiegstelle bei Mehrfamilien- und Hochhauswohnungen ist die Wohnungstür. Die Wohnungstür in den oberen Stockwerken ist meistens die einzige Zutrittsmöglichkeit und häufig viel zu schwach abgesichert. Für einen geübten Einbrecher also eine Sache von Sekunden. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern werden am liebsten Kellerschächte, Fenster und Hintertüren heimgesucht. Einer ganz anderen Arbeitsmethode bedienen sich Trickdiebe, die sich trotz der Anwesenheit der Bewohner durch geschickte Ablenkmanöver Zutritt in den Wohnbereich verschaffen.


Einbrüche hinterlassen unangenehme Spuren

Weniger als 20 Prozent aller Einbrüche werden aufgeklärt. Die Chance, das gestohlene Eigentum wiederzubekommen, ist noch wesentlich geringer. Dazu kommen die angerichteten Zerstörungen. Die Schäden durch den Vandalismus der Einbrecher sind manchmal höher, als der Verlust des Eigentums. Oft werden willkürlich Einrichtungsgegenstände aus Enttäuschung über nicht vorhandene Wertsachen zerstört. Die Versicherung kann letztlich auch nur für den materiellen Schaden aufkommen. Dazu müssen Sie nachweisen, dass Sie ausreichend versichert waren und alle angemessenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben.


Das scheuen die Einbrecher am meisten

Einbrecher müssen in der Regel fast immer damit rechnen, überrascht zu werden. Sie stehen daher meistens unter Zeitdruck. Ungewöhnliche Geräusche, wie zum Beispiel klirrende Fensterscheiben, erregen grundsätzlich Verdacht, deshalb wird der Einbrecher versuchen, jeglichen Lärm zu vermeiden.

So beurteilen gefasste Einbrecher folgende Kriterien

Häuser haben höchstens "Abhaltewert", wenn man völlig freien Einblick in das Grundstück und auf mögliche Einstiegsquellen hat.

- Von aussen deutlich erkennbare Sicherungsmassnahmen wie Zusatzschlösser, Fenstergitter etc. beeinflussen die Entscheidung.
- Mehr als die Hälfte der Befragten stufen den Hund als abschreckend ein, wobei 60 Prozent auch dann an die Anwesenheit eines Hundes glaubten, wenn es nur entsprechende Schilder gab.


Sicherheitsvorkehrungen - Sicherheit durch richtiges Verhalten

Einbrüche verhindern Sie durch eine risikogerechte Absicherung aller gefährdeten "Einstiegsstellen". Entscheidend ist also das richtige Zusammenspiel aus technischen und organisatorischen Sicherungsmassnahmen. Schon durch geeignetes Verhalten können Sie von vornherein verhindern, dass Einbrecher auf die Idee kommen, bei Ihnen einzusteigen.


Geben Sie den Einbrechern keine Chance!

1. Vermeiden Sie es, Leitern oder sonstige Aufstiegsmöglichkeiten auf Ihrem Grundstück herumstehen zu lassen. Sie laden einen Täter geradezu ein, im oberen Stockwerk einzusteigen.

2. Alle Aussensteckdosen sollten von Innen abzuschalten sein, damit Einbrecher keine Elektrowerkzeuge daran anschliessen können.

3. Nutzen Sie alle mechanischen Absicherungen und sperren Sie auch bei kurzer Abwesenheit die Aussentüren zweimal ab.

4. Lassen Sie Erdgeschossfenster und Balkontüren weder offen noch gekippt. Geben Sie dem Einbrecher keine "günstige Gelegenheit". Ohne Gewaltanwendung darf kein Eindringen möglich sein.

5. Wenden Sie alle weiteren Sicherungsmassnahmen konsequent an. Was nützt die schönste Alarmanlage wenn sie nicht richtig funktioniert bzw. nicht eingeschaltet ist? Oder die beste Videoüberwachungsanlage, wenn sie nicht kontrolliert wird?

6. Im Urlaub sollten unbedingt zusätzliche Vorsorgemassnahmen getroffen werden. Verriegeln Sie alle möglichen Einstiegestellen ordnungsgemäss und verschliessen Sie Ihre teuren Wertsachen in einem Safe. Lassen Sie keinen Fremden erkennen, dass Ihre Wohnung leer steht. Den Eindruck des Bewohntseins können Sie einige technische Tricks vortäuschen, indem Sie mit einer Zeitschaltuhr z.B. abends Licht und Radio einschalten oder die Rollläden hoch- und runterfahren. Sinnvoller ist es, den Nachbarn damit zu beauftragen sich um Ihre Wohnung zu kümmern.

7. Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft unter Nachbarn ist hier unbezahlbar. Oft vertrauen Diebe auf die Anonymität der Bewohner untereinander.

8. Gegenüber fremden Leuten sollten Sie stets eine gesunde Skepsis haben. Kontrollieren Sie immer mit Haussprechanlage, wer zu Ihnen will. Drücken Sie nicht schon den Türöffnungsknopf, bevor der Eintretende gesagt hat, wer er ist und was er will. Ist die Person erst einmal im Haus, so kann sie in aller Ruhe eine schlecht gesicherte Wohnungstür aufbrechen.

9. Seien Sie trotz aller Sicherheitsmassnahmen dennoch auf den schlimmsten Fall vorbereitet. Dokumentieren Sie alle Wertsachen mit genauer Beschreibung, möglichst auch mit Foto, allein schon aus versicherungsrechtlichen und polizeilichen Gründen. So besteht wenigstens die Chance, das gestohlene Gut wiederzubekommen und möglicherweise zur Aufklärung weiterer Verbrechen beizutragen.


Sicherheit durch Technik - Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied

Wo muss besonders abgesichert werden?

Machen Sie selbst einen Rundgang um Ihr Haus oder durch Ihre Wohnung und überlegen Sie systematisch wo die Schwachpunkte Ihrer Absicherung liegen. Bedenken Sie: Der Täter will unter geringstmöglichem Zeit- und Arbeitsaufwand, bei so wenig Lärm wie möglich in den Besitz Ihres Eigentums kommen.

Analysieren Sie den Sicherheitsstandart Ihres Hauses nach folgenden Punkten:

1. Sind die Aussentüren einbruchhemmend, d.h. massiv ausgeführt und mit soliden Schlössern und Beschlägen versehen?
2. Sind die Fenster im Erdgeschoss richtig abgesichert, etwa mit Gittern, Sicherheitsglas usw.?
3. Kann man auf irgend einem "Umweg" ins Haus eindringen, vielleicht vom Nachbarn aus oder durch den Schuppen?
4. Gibt es die Möglichkeit, durch Mauerwerk oder Dach durchzubrechen?
5. Wie sind die baulichen Gegebenheiten: Freie Sicht, zusätzliche Umzäunung, Mauer oder Garagentorvorsprünge?
6. Wie ist die Verbindung nach aussen, etwa durch eine unterirdische Telefonleitung? Ist Ihr Nachbar in der Nähe?
7. Sind bereits zusätzliche elektronische Sicherungen angebracht?

So nützt es auch bei der Absicherung des Hauses nichts, wenn Sie nach vorne Ihr Haus zu einer Festung ausbauen und die Rückseite offen steht.

Als Einbruchstellen bei Einfamilienhäusern werden von Einbrechern folgende gewählt:

- 62% von der Hausrückseite
- 28% von der Vorderseite
- 7% von der Seite
- 3% über das Dach

Einbruchstellen bei Hochhauswohnungen sind zu 75% die Wohnungstür und zu 25% Balkon oder Fenster. Deshalb muss jede einzelne Stelle individuell ihrem Gefährdungsgrad entsprechend abgesichert werden. Die Grundlage jenes Sicherungssystems ist der mechanische Schutz. Jede Massnahme, die den Aufwand eines Einbrechers erhöht, wirkt abschreckend.
Zusätzlich erhöhen Einbruchmeldeanlagen das Risiko für einen Einbrecher. Diese sollen den Einbruchversuch so früh wie möglich anzeigen, sodass die mechanische Absicherung noch lange genug standhält, bis Gegenmassnahmen wirksam ergriffen werden können.
Erst durch das richtige Zusammenspiel von Mechanik, Elektronik und organisatorische Massnahmen wird ein optimaler Schutz gewährleistet.

 

 
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