-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Dämmstoffe II - 24.05.2018
 Rohbau / Dämmung / Dämmstoffe II       


NATUR ODER CHEMIE ?

Ökologische und konventionelle Dämmstoffe
Zu den ökologischen Dämmstoffen gehören Zellulose, Kork, Blähperlit, Schafwolle, Baumwolle, Flachs, Holzweichfaserplatten, Kokosfasern, Schaumglas, Blähton, Holzwolle, Schilf und Stroh. Zu den konventionellen zählen Mineralfaser, Polyurethan-Hartschaum und Polystyrol-Hartschaum. Da jeder Dämmstoff über spezifische Eigenschaften verfügt, fällt ein Qualitätsvergleich sehr schwer. Die lange Reihe von unterschiedlichsten Betrachtungskriterien wie Herstellung, Rohstoffvorräte, Materialeigenschaften, Einsatzbereich, physikalische Daten, Schadstoffbewertung und Kosten macht deutlich, dass eine Gegenüberstellung und ganzheitliche Beurteilung dieser Baustoffe unmöglich ist.

Primärenergiebedarf miteinrechnen
Da es beim Thema Dämmen in erster Linie um Energieeinsparung geht, sollte man auch den sogenannten Primärenergiebedarf in die Berechnung miteinbeziehen. Darunter versteht man die Energiemenge, die zur Rohstoffgewinnung und Weiterverarbeitung bis zum fertigen Baustoff notwendig ist. Eine Dämmung mit einem vergleichsweise günstigen k-Wert kann bei Betrachtung seines Primärenergiebedarfes plötzlich gar nicht mehr so gut dastehen. Eine optimale Dämmung sollte also nicht nur einen niedrigen k-Wert haben, sondern auch in seiner gesamten Energiebilanz gut abschneiden. Das Streben nach einer effektiven Dämmung im Sinne einer umweltgerechten Bauweise muss konsequenterweise zur Folge haben, dass auch der Dämmstoff selbst nach umweltgerechten Kriterien betrachtet und ausgesucht wird. Rohstoffgewinnung, Transport, Herstellung und Entsorgung gehören schliesslich zur sogenannten Ökobilanz eines Baustoffes. Vor allem bei synthetischen Dämmstoffen, die unter Zuhilfenahme von Klima gefährdenden Treibstoffen hergestellt werden, ist eine starke Belastung der Umwelt zu verzeichnen. Daneben könnten Krebserregende Substanzen zum Problem für den Nutzer werden. Doch auch "ökologische" Dämmstoffe sollte man kritisch unter die Lupe nehmen. Ein grosser Bedarf an pflanzlichen Rohstoffen führt zum Entstehen von Monokulturen mit den hinlänglich bekannten Problemen, wie etwas vermehrter Kunstdünger und Spritzmittel-Einsatz. Begrenzte Rohstoffreserven, hoher Energieverbrauch bei der Herstellung, Abwasser-, Luft und Lärmbelastung sowie die oftmals schwierige Entsorgung sollten bei der Auswahl bedacht werden.

Recycling nicht ausser Acht lassen
Durch Verbundbauweise lassen sich die Materialien beispielsweise später kaum mehr in ihre Einzelbestandteile zerlegen und schliessen ein Recycling damit aus. Aber auch das Behandeln mit Insektiziden oder Pestiziden führen dazu, dass eine spätere Beseitigung aufwendig und teuer wird. Nur unter Einbeziehung aller Kriterien kann der jeweils günstigste Dämmstoff ermittelt werden. Er muss auf die Konstruktion abgestimmt sein. Ein Bauteil, das der Feuchtigkeit ausgesetzt ist, erfordert eine andere Dämmung als ein Bauteil im Gebäudeinnern. Besonders im Feuchtebereich erweist sich ein wasserresistenter Baustoff als absolut notwendig. Auch wenn dieser möglicherweise unter ökologischen Gesichtspunkten nicht so gut abschneidet, kann sein Einsatz in Bezug auf die Lebensdauer sinnvoll sein, denn schliesslich sind nur wenige natürliche Dämmstoffe gegen Nässe dauerhaft resistent. Bei Innenräumen ist die Belastung mit Wohnraumgiften ein Thema. Die Freisetzung von Fasern bei mineralischen und natürlichen Dämmstoffen sowie flüchtiger organischer Verbindungen vor allem aus Schaumdämmstoffen oder gar radioaktiver Strahlung sollten selbstverständlich vermieden werden.

Zukunftsweisende Dämmstoffe
Auf der Suche nach umweltverträglichen Baustoffen kommen immer neue Materialien auf den Markt. So wird dem Hanf mehr Aufmerksamkeit geschenkt, da diese Fasern gegen Pilz und Schädlingsbefall resistent sind und schon beim Anbau auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet werden kann. Kurze Transportwege und geringer Primärenergiebedarf machen Hanf zu einem Dämmstoff, dem zukünftig Beachtung gebührt. Auf der Suche nach Baumaterialien mit günstigen Eigenschaften werden auch mit Recyclingstoffen experimentiert. So ist auch das Keramikglas entstanden, das aus Natursteinstäuben, Schluffen und Altglas besteht. Es ist alterungsbeständig, nicht brennbar, druckfest und feuchteresistent. Als Schüttmaterial kann es in allen Hohlräumen eingesetzt werden. Auch Hobelspäne, die bei der Verarbeitung von Holz anfallen, werden heute zur Dämmung verwendet.

Die Kosten sollten nicht entscheidend sein
Die Kosten für eine wirksame Wärmedämmung ist bezogen auf die Gesamtinvestition eines Hauses vergleichsweise gering, zumal sich diese durch die Energieeinsparung bald schon amortisieren. Das Rechnen lohnt sich hier, denn der billigste Dämmstoff ist nicht gleich der günstigste. Aber auch eine teure Isolierung muss das Ergebnis nicht unbedingt verbessern. Ein sinnvoller Einsatz unter Abwägung aller relevanten Faktoren sollte insgesamt zu einer Lösung führen, die sich im Laufe der Zeit rechnet und vor allem der Umwelt einen Vorteil bringt.

 

 
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