-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Naturstein ABC - 24.05.2018
 Lexikon / Naturstein ABC       


ALLES RUND UM NATURSTEINE

Natursteine werden als technisch hochwertige und langlebige Baustoffe verwendet und  werden niemals langweilig. Jedes Produkt ist ein Unikat, dass über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinaus dekorativ und repräsentativ sein kann. Kaum ein Material ist in derart vielfältigen Produkten zu bekommen: Bodenlatten, Wandplatten, Bordüren, Fensterbänke, Treppen, Waschtische, Küchenarbeitsplatten, Skulpturen, Pflastersteine,...


Technische Eignung von Natursteinen

Obwohl Natursteine hochwertige Produkte sind, ist nicht jeder Stein für jeden Anwendungsfall geeignet.

Im Aussenbereich:
Für Aussen sollten Sie einen witterungsbeständigen Naturstein (Granit, Quarzit, Porphyr oder Sandsteine) vorziehen.Der Rutschgefahr auf begehbaren Flächen durch Regen, Eis und Schnee begegnen Sie am besten durch eine rauhe Oberfläche, die es - je nach Material - in verschiedenen Abstufungen gibt.

Im Innenbereich:
Im Innenbereich lassen Sie sich ganz von Ihrem Geschmack leiten und suchen sich Material, Farbe, Maserung und Bearbeitung passend zu Ihrem Wohnstil aus.
Bitte denken Sie bei Marmor daran, dass dieser Kalk, bzw. Kalkspat mit mineralischen und fossilen Einschlüssen besteht und er daher mitunter empfindlich auf verschiedene (saure) Flüssigkeiten reagieren kann. Bemerken Sie solche Flecken zu spät, kann dies zu dauerhaften Schattierungen im Material führen. Ebenfalls sollten Sie bei einigen Marmorsorten die "Weichheit" des Materials berücksichtigen. Auf stark frequentierten Treppen und Fussböden kann sich nach einigen Jahren die Politur "Ablaufen", was ein mattes und stumpfes Aussehen zur Folge hat.
Es gibt nicht nur Granit und Marmor, sondern eine ganze Reihe von weiteren Gesteinsarten. Der Handel teilt diese je nach den technischen Eigenschaften in granit- und marmorähnliche Gesteinsarten ein. Dieses ist durchaus legitim. Weitere solcher Handelsbezeichnungen sind: Quarzit, Schiefer, Sandstein, Porphyr und Basaltlava.


Entstehung von Gesteinen

Die Gesteine werden durch die Art Ihrer Entstehung in drei Gruppen eingeteilt. Es gibt die Magmatischen Steine die durch das Erstarren von Magma entstehen, die Sedimentgesteine, die durch Ablagerung von Gesteinsresten und deren Verfestigung entstehen und die metamorphen Gesteine, die durch Umwandlung der anderen Gesteinsarten entstehen. Diese sind durch einen ständigen Kreislauf miteinander verbunden.

Magmatische Gesteine
Tiefengesteine entstehen durch Erstarren von Magma in der Tiefe der Erdkruste. Magmatische Gesteine sehen wie massives Gestein aus. Es ist keine Schichtung oder Schieferung erkennbar. Die Körner der verschiedenen Minerale sind meist gleich gross. Manchmal sind Einsprenkelungen sichtbar. Bei sichtbaren grossen Körnern handelt es sich meist um ein Tiefengestein, bei feineren um ein Ergussgestein. Tiefengesteine werden zumeist nach Ihrem Mineralbestand, und deshalb optisch verhältnismässig leicht nachvollziehbar, unterschieden.

Granite
Sie sind einfach zu erkennen, richtungslos, ohne Bänderung strukturiert und niemals dunkel, da die Hauptgemengeanteile helle Minerale sind. Ihre Struktur ist meistens mittel- bis grobkörnig. Durch dunklere Mineralanteile wirken die dem Granit sehr ähnlichen Granodiorite mittel- bis dunkelgrau und sind meistens fein- bis mittelkörnig.

Diorite
Ihre Farbe ist meist dunkelgrau bis dunkelgrün und sind viel feinkörniger als die Granodiorite.

Gabbros
Ihre Gefügestruktur ist eher mittel- bis grobkörnig und dunkler als Diorite.

Syenite
Sie sehen sehr unterschiedlich aus, sind aber dadurch zu erkennen, dass Sie einen sehr geringen Quarzgehalt haben. Da diese weissen bis milchig-grauen Mineralbestandteile in den anderen Granit-Gesteinsgruppen fast immer vorkommen, sind sie von diesen leichter zu unterscheiden. Auffällig sind die schillernden Feldspalte in den Labradoriten.
Tiefengesteine sind technisch sehr hochwertig. Sie können sowohl im Innen- als auch im Aussenbereich eingesetzt werden und mit kunststoffvergüteten Klebern verlegt werden. Bei hellen Materialien sollte rückseitig eine Dichtschlämme aufgetragen werden, um eine Verfärbung zu verhindern. Graue Tiefengesteine können sich durch die Umwandlung eines Minerals gelblich verfärben. Bei den Arten mit wenig Quarz wie Gabbro und Syenit ist die Hochglanzpolitur nicht so belastar.

Erdgussgesteine
Sie entstehen durch Erstarren von Magma an der Erdoberfläche und werden ähnlich den Tiefengesteinen nach ihrem Mineralbestand eingeteilt. Die Steine haben deshalb häufig Äquivalente unter den Tiefengesteinen, denen Sie technisch ähnlich sind. Die optische Zuordnung ist aber schwerer, da die Korngrössen kleiner als bei den Tiefengesteinen sind.
Die chemische Zusammensetzung von Rhyoliten (Porphyr) entspricht den von Graniten. Optisch unterscheidet sich der Porphyr vom Granit durch die deutlich sichtbaren grösseren Einsprenkelungen.

Basalt
Ist eine dunkle, oft schwarze, feinkörnige Gesteinsgruppe, chemisch ähnlich dem Gabbro. Es kann aber auch, ähnlich wie der Porhyr, mit grünlichen oder bräunlichen Einsprengklingen versehen sein. Basalt als Gesteinsart ist feinkörnig und dicht in der Struktur. Dolerit sowie Diabas sind grobkörnig, da der Stein erdgeschichtlich ein alter Basalt ist, ist er bereits leicht vergrünt.

Tephrit
Es hat häufig sichbare Poren und kann deshalb von dem farblich ähnlichen Basalt unterschieden werden. Tephrit (Basalt-Lava) ist ein helles bis dunkles Erdgussgestein.
Technisch sind die Ergussgesteine den Tiefengesteinen sehr ähnlich. Anders als bei den Tiefengesteinen sind die Rohblöcke jedoch häufig kleiner. Die Materialien sind deshalb schwerer zu bemustern. Die zum Teil völlig andersfarbige Einsprengklinge sind nicht zu verhindern und müssen akzeptiert werden. Basalt-Lava ist aufgrund seiner porigen Oberfläche schwer zu verfugen. Manchmal tritt beim Basalt der sogenannte Sonnenbrenneffekt auf. Durch Volumenvergrösserung wird das Material zum Teil aufgebrochen.

Sedimentgesteine
Sie sehen häufig geschichtet aus und entstehen durch Ablagerung von Gesteinsresten. Die Schichten sind wie bei Schiefer sehr dünn, können jedoch auch dicker und deutlich sichtbarer sein. Die Korngrösse kann sehr stark variieren. Bei grobkörnigen Sedimenten lassen sich deutlich Mineral- und Gesteinstrümmer und das die Trümmer verkittende Bindemittel bestimmen. Fast alle Mineral- und Gesteinsarten können als Fragmente vorhanden sein. Teilweise sind Fossilien erkennbar, manchmal aber besteht das Sediment fast vollständig aus Fossilien. Die Steine sind häufig porös, können aber auch sehr dicht sein und sind häufig weich und feinkörnig.

Sandsteine
In ihren technischen Eigenschaften können sie aufgrund der stark variierenden Mineralbestandteile stark unterschiedlich sein. Informieren Sie sich darüber, was die entsprechenden Anwendungsmöglichkeiten, Verlege- und Pflegerichtlinien betrifft. Zudem erschweren, im Gegensatz zum gleichmässigen, feinkörnigen Strukturbild vorhandene relativ stark schwankende Farben und Texturen, eine Bemusterung.

Konglomerate
Entstanden sind sie aus ovalen, runden Trümmersteinen. Aufgrund der Korngrössenunterschiede haben sie stark schwankende Festigkeitswerte.

Brekzien
Sie bestehen zumeist aus verschiedenfarbigen eckigen Marmor- oder Kalksteintrümmern und unterscheiden sich damit von den Konglomeraten optisch sehr gut.
Technisch gleichen die beiden letztgenannten Gesteinsgruppen den Marmor- und Kalksteinsorten. Es sollten deshalb schnellabbindende Verlegesysteme gewählt werden. Diese Steine sind nicht für Fussbodenheizungen geeignet und sind zudem recht porös.
Durch Ansammlung organischer Bestandteile, verwitterter Steine und chemischer Ausfällungen wässriger Lösungen (Salz) entstehen zum Beispiel die Dolomitsteine, Kalksteine, Travertine und Muschelkalke.

Dolomitsteine
Technisch sehr hochwertige Steine, die den Kalksteinen optisch sehr ähnlich und nur durch die Betrachtung der Bruchkanten von diesen zu unterscheiden sind. Dolomitsteine glitzern leicht, Kalksteine sind stumpf.

Kalksteine
Sie werden wie die Dolomitsteine häufig als Marmor bezeichnet, was an der Benennung Jura-Marmor deutlich wird. Dieses ist ein Kalkstein und kein Marmor. Sie sind technisch mit diesen jedoch vergleichbar und es gelten die gleichen Regeln was die Pflege und die Verlegung angeht. Dieses gilt auch für Limitierung in der Anwendung: Sie sind nicht für stark frequentierte Flächen geeigent, nicht frostsicher. Es sollten schnellabbindende Verlegesysteme und bei hellen Sorten eine rückseitige Marmor-Dichtschlämme verwendet werden.


Optisch, nicht technisch, werden folgende Sorten von den Travertinen unterschieden:

Travertine

Sie sind auch Kalksteine und sind bis auf die teilweise sehr grossen Poren und Löcher mit diesen zu vergleichen. Häufig ist bei den Steinen ein starker Schichtungscharakter anhand einer lebhaften Bänderung zu erkennen. Sind die Löcher gespachtelt, ist die Oberfläche zumeist leichter zu reinigen. Die Steine sind dann aber zumeist nicht mehr frostsicher, für Fussbodenheizungen und starke Frequentation (Ladengeschäfte) geeignet.

Muschelkalke
Bestehen hauptsächlich aus Fossilien, sind üblicherweise gelblich, bräunlich oder grau. Sie sind sehr lebhaft und anhand der mehr oder weniger grossen Muschelfragmente leicht zu erkennen. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Kalksteinsorten frostsicher, wenngleich stark unterschiedliche Poren vorhanden sind.

Metamorphe Gesteine
Entstehen durch Umwandlung von anderen Gesteinsarten infolge hoher Temperaturen und dem Druck. Sie sehen häufig geschiefert, getäfelt oder gebändert aus. Die Korngrössen variieren von sehr fein bis grobkörnig. Manch Metamorphe Gesteine sehen aber auch wie Vertreter anderer Gesteinsarten aus.

Marmor
Ist ein aus Kalkstein entstandenes metamorphes Gestein. Marmorsorten sind meist heller als Kalksteine und haben eine glitzernde Bruchstelle. Sie erkennen Marmor durch die meist hellen Grundfarben und die dunkle, häufig schwarze, Äderung die mehr oder wenig stark ausgeprägt ist. Marmor ist technisch vergleichbar mit Kalksteinen. Dieses gilt auch für Limitierung in der Anwendung: Sie sind nicht für stark frequentierte Flächen geeignet, nicht frostsicher, es sollten schnellabbindende Verlegesysteme und bei hellen Sorten eine rückseitige Marmor-Dichtschlämme verwendet werden.

Dolomitmarmor
Ist ein aus Dolomitstein  entstandenes metamorphes Gestein. Der Unterschied zwischen Dolomitmarmor und Marmor ist schwer zu erkennen. Sie sollten diese Steine, obwohl technisch etwas höherwertiger als Marmor, wie Marmorsorten behandeln, verlegen und pflegen.

Serpentinit
Sind aus Graniten entstandene metamorphe Gesteine. Wenn Sie einen "grünen Marmor" meistens stark ornamentierten Marmor sehen, wird dies ein Serpentinit sein. Technisch sind diese mit den Marmorsorten vergleichbar. Bei der Verlegung von Serpentiniten sollten Sie geeignete Kleber verwenden oder das Material vorher wässern und hinterher abdecken.

Granulite
Sind aus Paragneisen und Glimmerschiefern entstandene optisch und technisch granitähnliche Steine. Sie können von diesen leicht durch die roten Granateinschlüsse unterschieden werden. Diese können sich allerdings bei Wasserzufuhr durch Umwandlung verfärben. Deshalb sollten diese Steine ähnlich wie Marmorsorten mit rückseitigen Dichtschlämmen und mit schnellabbindenden Verlegesystemen verlegt und in jedem Falle imprägniert werden.

Orthogneise
Sind aus Graniten entstandene metamorphe Gesteine. Sie sehen Ihnen deshalb in den Korngrössen und Farbe ähnlich. Unterscheiden tun sie sich von diesen optisch aber deutlich durch die ausgeprägte Bänderung.

Paragneise
Sind aus Sedimentgesteinen entstandene technisch granitähnliche Steine. Sie haben einen unverwechselbaren Lagen - und Schichtungscharakter und es dominieren weisse und graue bis schwarze Farben. Dadurch sind sie leicht von den anderen Gesteinsgruppen zu unterscheiden.

Migmatite
Sind sogenannte Mischgneise. Optisch zu erkennen durch meist parallel verlaufende Lagen von bunten und schwarzen Bänderungen. Diese können allerdings auch manchmal kräftig durchmischt sein.

Gneise
Sind technisch wie Granite zu behandeln. Die Bemusterung ist bei diesen Sorten allerdings fast unmöglich.

Quarzite
Sind aus Sandsteinen entstandene metamorphe Gesteine. Sie haben einen sehr hohen Quarzanteil und sind deshalb mechanisch sehr stark belastbar. Sie können einen Quarzit einfach durch einen Kratztest von den ähnlichen Marmorsorten unterscheiden. Durch die Entstehung bedingt gibt es allerdings Schwächungen im Gefüge, sogenannte Stiche. Deshalb sollten Sie Quarzite nicht auf Fussbodenheizungen verwenden.

Tonschiefer
Sind schwach metamorphe Gesteine die aus kleinen gefärbten Tonmineralen unter hohem Druck entstanden sind. Sie kennen diesen Schiefer unter der Bezeichnung Dachschiefer, wobei es durchaus auch hellere Farben gibt. Das Material lässt sich leicht spalten und wird deshalb in dieser Form gehandelt.

Glimmerschiefer
Sind stärkere metamorphe Schiefersorten. Sie unterscheiden sich von den Tonschiefersorten optisch durch einen leichten Glanz an der Oberfläche. Sie müssen in jedem Falle bei der Verlegung von Schiefersorten durch geeignete Zusätze dafür sorgen, dass der Kleber rückseitig haftet. Tonschiefer können leicht zerkratzen. Durch eine dauernde Begehung der Oberfläche wird allerdings der Belag wieder eingeschliffen. Ein solcher Boden erhält seine endgültige Oberfläche somit erst nach ein paar Monaten.

Glimmerquarzite
Sind aus Sandsteinen entstandene metamorphe Gesteine. Diese Steine werden in ähnlichen Produkten wie der Schiefer angeboten. Charakteristisch ist ein schillernder Glanz und eine bruchraue Oberfläche. Diese Steine werden mit Vorliebe im Aussenbereich und in grossen Foyers eingesetzt. Wie bei den Schiefersorten sollte die Haftung des Klebers durch entsprechende Produkte verbessert werden.

 

 
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