-bauratgeber.ch - Tipps zum Thema Allgemein - 22.05.2018
 Allgemein       


DIE SCHUTZHUELLE DES HAUSES

Die grösste Fläche beeinflusst die Architektur ebenso wie die Luftdichtheit und die Energiebilanz des Hauses. Erste Aufgabe der Fassade ist jedoch der Schutz des Hauses und der darin lebenden Menschen. Allein schon deshalb darf auf keinen Fall an diesem Bauteil der Rotstift zur Kosteneinsparung angesetzt werden. Für die Entscheidung für dieses oder jenes Fassadensystem sollten folgende Ansprüche und Anforderungen im Notizblock stehen:

- sicherer, lang andauernder Witterungsschutz (mindestens 30 Jahre)
- lange Lebensdauer ohne Reparaturen (möglichst über 30 Jahre hinaus)
- energetisch optimierte Aussenschale (Wärmedämmung)
- Optimalen (erhöhten) Schallschutz vereinbaren!
- Wartungsfreiheit
- guter Ausgleich der Luftfeuchtigkeit zu den Innenräumen (Wasserdampf-Diffusionsfähigkeit)
- Pflegeleichtigkeit

Sind diese Forderungen erfüllt, stellt sich die summarische Frage der Wirtschaftlichkeit, berechnet für die nächsten 50 bis 60 Jahre. Im wahrsten Sinne des Spruches gilt immer noch: Was nutzt eine schöne Fassade, wenn sie nicht hält, was sie verspricht! So gerüstet, kann sich der Bauherr an die verschiedenen Systeme heranwagen und das für ihn in Frage kommende unter die Lupe nehmen.
Die Zukunft der Fassade liegt nach Ansicht von Fachleuten in komplexen Systemen aus traditionellen Bauweisen, in Verbindung mit autarken Systemen der Sonnenenergienutzung. Dabei kommt der aktiven Energiegewinnung mittels der Photovoltaik sowie der Warmwassergewinnung mittels Solarthermie-Kollektoren an der Fassade eine herausragende Rolle zu. Auch die passive Sonnenenergienutzung durch Membrantechnologien in einer interaktiven Gebäudehülle wird neben vorgebauten Glasfassaden, Wintergärten und transparenter Fassadendämmung eine wesentliche Rolle spielen.

Wandaufbau I
Mehrschalige Wandkonstruktionen
Einen besonders guten Witterungsschutz bieten massive mehrschalige Aussenwandkonstruktionen. Die als Vormauerschale ausgebildete Fassade gilt als nahezu wartungsfrei und sehr langlebig, ist robust und im Verhältnis zur Haltbarkeit auch wirtschaftlich. Mehrere Varianten der Vorsatzkonstruktionen sind möglich. Fassadenwände dieser Art bestehen meist aus Vormauerziegeln, Klinkern, Kalksand- oder Natursteinen. Diese sind mit dem Hintermauerwerk durch Drahtanker verbunden. Richtige konstruktive Ausbildung vorausgesetzt, kann keine Feuchtigkeit bis zur Dämmung oder bis zum Hintermauerwerk vordringen. Brandschutz und Lärm sind für dieses System kein Problem.

Wandaufbau II
Hinterlüftete Vorhangfassade
Alternativ zu den Vormauerschalen können dem Hintermauerwerk verschiedene "Schalen" vorgehängt werden: die Vorhangfassade. Eigentlich auch eine mehrschalige Wandkonstruktion, nimmt sie durch ihren besonderen Aufbau eine Sonderstellung ein. Auch sie wird hinterlüftet und zusätzlich gedämmt. Auf dem Aussenmauerwerk wird praktisch eine zweite Haut "vorgehängt". Als "hinterlüftete Vorhangfassade" beweist sie ihre Stärken wie: relative Leichtigkeit, gute Diffusionsfähigkeit, Wärmedämmung und Schlagregensicherheit. Speziell bei einschaligen Wandaufbauten bieten Vorhangfassaden vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Diese bestehen in der Regel aus fassadentauglichem Holz, Faserzement, Kunststoff, Schiefer oder Ziegelplatten. Aber auch grossformatige Elemente oder Metallverkleidungen sind möglich. Alle diese Materialien werden auf einen Lattenrahmen, der auf einer Konterlattung befestigt wurde, geschraubt, genagelt oder durch Klammern befestigt.

Wandaufbau III
Die Putzfassade
Ob Massiv- oder Fertighaus, mit ihr lassen sich besonders gut die Wünsche der Baufamilie in bezug auf farbliche Gestaltung der Fassade verwirklichen. Gerade im Putzbereich sind Wärmedämmputze, Wärmedämm- und Wärmedämmverbundsysteme entwickelt worden, die eine gute Dämmung mit entsprechenden bauphysikalischen Eigenschaften und ansprechendem Äusseren vereinen. Die traditionellen Mörtelputze für Fassaden werden als zementgebundene Unter- und Oberputze der Mörtelgruppe II hergestellt. Die einschalige Wand mit Wärmedämmputz erreicht verhältnismässig gute Dämmwerte. Wärmedämmputze sind aus einem wärmedämmenden Unterputz und wasserabweisenden mineralischen Oberputzen gefertigt. Ein Wärmedämmverbundsystem, auch Thermohaut genannt, ist wie folgt aufgebaut: Auf eine Sockelschiene oberhalb des Spritzzonenbereichs werden Dämmplatten, meist aus Hartschaum oder Mineralwolle mit Verbundmörtel direkt auf die tragende Wandkonstruktion geklebt. Die Platten werden anschliessend nacheinander mit Verbundmörtel, Zwischenputz mit Armierungsgewebe und Putzgrund versehen. Den abschliessenden Wetterschutz bilden mineralische Kunstharz- oder Dispersionsoberputze bzw. mineralische Edelputze. Wärmedämmverbundsysteme erreichen gute Dämmwerte, mit allen Vorzügen der traditionellen Putzfassade.

Wandaufbau IV
Holzfassade (als vorgehängtes Fassadensystem)
Seit Jahrtausenden ist Holz ein besonders effektives Fassadenmaterial. Holzfassaden schützen, wärmen und isolieren. Wer dabei auf den Gebrauch von Holzschutzmitteln verzichten möchte, muss zu konstruktiven Massnahmen greifen: Zum einen ist die Verwendung von witterungsbeständigem Holz empfehlenswert, zum anderen ein grosser Dachüberstand besonders zu der "Wetterseite". In der Regel wird die Holzfassade als vorgehängte Fassade eingesetzt. Hier wird die Konterlattung senkrecht in die Stärke der Dämmung an der Wand befestigt, auf dieser werden schliesslich die Bretter oder Schindeln angeschraubt.

Wandaufbau V
Riemchen
Keramikriemchen bestehen wie Ziegel aus gebranntem Ton, beide sind gute Materialien für den Witterungsschutz von Fassaden. Im Gegensatz zu Vormauerziegeln werden Riemchen mit Mörtel direkt auf den Unterputz der tragenden Wand angebracht. Erreicht wird mit dieser Methode eine neue Versiegelung der Fassade gegen Witterungseinflüsse. Eine Verbesserung der Wärmedämmung wird dagegen kaum erreicht. Deshalb werden die Riemchen mit einer Hartschaumplatte zu vorgefertigten Verblendklinker-Elementen verbunden,  die eine schnelle, relativ gut dämmende Hausverkleidung ermöglichen.

Wandaufbau VI
Pflanzen an die Fassade
Eine Fassadenbegrünung ist wie die Dachbegrünung ein architektonisches Stilelement mit ökologischen Vorteilen. Grünpflanzen produzieren Sauerstoff, nehmen Kohlenmonoxid auf und binden Staub. Daneben schützen sie vor Schlagregen, Wind, UV-Strahlung und grossen Temperaturschwankungen. Der Untergrund muss fest und ohne Risse sein. Nur für schlecht ausgeführte und beschädigte Fassaden stellen Begrünungen eine Gefahr dar. Bei einwandfreien, dichten Fassaden gibt es keinerlei Probleme. Allerdings stellt das Grün an der Fassade eine Zusatzlast dar, da es  direkt an einer Kletterhilfe emporrankt. Entsprechende Schwerlast-Dübel und Haken sind einzusetzen, um die Rankhilfen für viele Jahrzehnte sicher zu befestigen.

"Fassadenkletterer"
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Echter Wein (Vitis venifera) bis 10 m
- Waldrebe (Clematis-Arten), 3 bis 9 m, schnellwachsend Spreizklimmer
- Kletterrose (Rosa-Sorten), bis 5 m
- Brombeeren (Rubus), winterhart und -grün, 2 bis 5 m, schnellwachsend Selbstklimmer
- Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata), bis 15 m
- Efeu (Hedera helix) winterhart und -grün, bis 24 m
- Kletterhortensie (Hydrangea anomala), 3 bis 8 m Schlingpflanze
- Hopfen (Humulus Iupudus), 4 bis 7 m, schnellwachsend
- Knöterich (Polygonum aubertii), bis 15 m, schnellwachsend
- Blauregen (Wisteria sinensis), bis 10 m, schnellwachsend
- Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla), bis 10 m

 

 
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